Stereomikrofonie-Verfahren

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Im Januar 2010 traf sich der Coro Cantastico in einer Kirche in Pforzheim zu Tonaufnahmen weihnachtlicher Lieder. Eine ideale Gelegenheit, verschiedene Aufnahmetechniken der Stereomikrofonie auszuprobieren. Weil es winterlich kalt war, hatten sich alle dick eingemummelt.
Kurz nachdem dieses Foto entstand kamen noch einige Sangesfreunde hinzu, so dass der Chor nahezu vollständig zu hören war.
Fünf Mikrofone (eines davon Stereo) waren auf einem Stativ in etwa 2,5 Metern Höhe angebracht. Das Stativ stand circa 4 Meter vom Chor entfernt und damit etwa im Hallradius. Alle sechs Mikrofonsignale wurden auf parallele Spuren mit 44,1 kHz und 24 bit aufgezeichnet.
Zum Vergleich wurden folgende Aufnahmetechniken verwendet:

XY-Verfahren


Bei diesem Verfahren werden zwei Richtmikrofone - meistens Nieren - so übereinander aufgebaut, dass in der horizontalen Ebene keine Laufzeitunterschiede zwischen den Kapseln entstehen. Dabei werden beide Mikrofone in einem bestimmten Winkel aus der Vorwärtsrichtung gedreht. Typische Werte sind 90° bis 120°. Hier kam ein Rode NT4 Stereomikrofon mit einen festen Winkel von 90° zum Einsatz. Wenn der natürliche Klang eines Aufnahmeraums nicht überproportional wiedergegeben werden soll, bietet das XY-Verfahren sehr gute Ergebnisse. Vorteilhaft ist auch die uneingeschränkte Mono-Kompatibilität des Signals. Man kann eine gute Ortbarkeit der Phantomschallquellen erreichen, wenngleich die Tiefenstaffelung zu den Schwachstellen des Verfahrens zählt. Der Stereoeffekt ist deshalb insgesamt recht unspektakulär. Für die Abnahme eines Chores eignet sich das Verfahren weniger, denn hier soll die Raumakustik ja gerade eingefangen werden.

ORTF-Verfahren


Dieses Verfahren wurde von Toningenieuren der französischen Rundfunkgesellschaft entwickelt. Es ist wohl eines der beliebtesten Stereo-Aufnahmeverfahren. Durch die gute Balance aus Laufzeit- und Intensitätsdifferenzen erzielt man einen ausgewogenen Klang, eine gute Ortbarkeit der Phantomschallquellen sowie eine relativ gute Raumabbildung. Bei diesem Verfahren werden zwei Nierenmikrofone mit einem Mikrofonabstand von 17 cm und einem Öffnungswinkel von 110° zueinander aufgebaut.
Bei unserer Aufnahme kamen zwei umschaltbare Doppel-Großmembran-Mikrofone zum Einsatz (Triffschallfilter und Pad ausgeschaltet, Kapseln auf Niere). Abstand und Winkel wurden allerdings nicht mit Zentimetermaß und Geodreieck eingestellt. Sie entsprechen daher nur näherungsweise den ORTF Vorgaben.

Druckempfänger-AB


Kommen Druckempfänger (also Mikrofone mit Kugelcharakteristik) zum Einsatz, dann lässt sich mit der AB-Technik die Tiefe des Aufnahmeraumes besonders gut abbilden. Durch die sehr gute Tiefbasswiedergabe von Druckempfängern entsteht ein voluminöser Klang, der sich besonders für größere Hallen und Kirchen eignet. Allerdings sind die aufgezeichneten Intensitätsunterschiede zwischen den beiden Mikrofonen sehr gering, daher werden die Panoramaverhältnisse praktisch nur durch Laufzeitunterschiede abgebildet. Es kann ein diffuses, frequenzabhängiges Stereobild mit schlechter Ortbarkeit entstehen. Es gibt jedoch Fälle, bei denen dieses etwas "schwammige" Klangbild gerade erwünscht ist: Dann, wenn die einzelnen Schallquellen miteinander verschmelzen sollen - so wie hier bei der Choraufnahme.

Beispielaufnahme


Das folgende Video zeigt beispielhaft alle drei Stereomikrofonie-Verfahren. Die Spuren wurden sorgfältig ausgepegelt, so dass klangliche Unterschiede der verschiedenen Aufnahmetechniken gut beurteilt werden können.
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Der Film ist im modernen MPEG-4 Verfahren kodiert. Bei Problemen beim Abspielen hilft die Installation des neuesten Quick-Time Players von Apple (auch für Windows-PCs).