Nyon

Bosch Nyon - der eBike Computer im Praxistext

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16.10.2016 Altes Nyon (2014/15) und neues Nyon (2016) im direkten Vergleich
Weil mein „alter“ Nyon vor kurzem das Zeitliche segnete, erhielt ich kostenlos und ziemlich flink ein nagelneues Austauschgerät von Bosch. Wie sich schnell herausstellte, war das ein 2016er Nyon. Also ging’s gleich ans Ausprobieren, was sich gegenüber dem 2014/2015er Modell getan hat.
Zunächst fällt die neue Software-Version auf: Aktuell 2.5.0.0 anstatt 1.5.0.0 gegenüber dem früheren Modell.
Deutlich größer wurde der Kartenspeicher: Waren bisher 500 MB zum Herunterladen von Kartendaten verfügbar, so sind es nun 6.144 MB. Da passt dann wirklich alles rein, wohin man jemals mit dem Rad kommen wird.
Von der Geschwindigkeit konnte ich im direkten Vergleich keinen Unterschied entdecken: Einschalten, Bedienen der Benutzeroberfläche, Route finden, Routenänderungen neu berechnen - alles geht gleich schnell.
Auch die Optik der Software beider Geräte ist genau identisch - bei allen Bildschirmen gibt es keinerlei erkennbaren Unterschiede.

Heute dann schönes Wetter und der große Tag: Meine Frau und ich fuhren gemeinsam mit unseren unterschiedlichen Nyons die gleiche Strecke. Wer mein Blog verfolgt der weiß, dass der alte Nyon mit einigen Macken bei der Kartenanzeige aufwartet. Da waren wir natürlich gespannt, ob der Neue die Probleme immer noch hat.

Nyon 2014/15

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Nyon 2016

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Auf den ersten Fehler brauchten wir nicht lange zu warten. Nach wenigen Kilometern verschwanden beim Nyon meiner Frau alle Details aus der Karte, die außerdem grau wurde. Mein neuer Nyon hatte das Problem nicht.
Mehrfach auf den Joystick drücken, bis alle Zoomstufen einmal durchgeklickt sind, behob die Sache.
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Kurz darauf ging es wieder los: Der Nyon meiner Frau zeigte bebaute Flächen an, die es definitv nicht gab - auch nicht in meinem Nyon.
Mehrfach auf den Joystick… (siehe oben).
Zunächst war die Freude groß - Bosch scheint die Probleme mit dem neuen Gerät im Griff zu haben.
Doch nach weiteren Kilometern kam die Ernüchterung: Massive Bildfehler - auf beiden Geräten gleichermaßen (die drei parallelen Linien von rechts unten nach links oben gibt es nicht!):
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Bei meinem Gerät half nicht einmal mehr das Durchschalten der Zoomstufen - die Fehler blieben.
Beim alten Nyon gingen sie dadurch aber weg.
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Egal ob 2D oder 3D, ob mit oder ohne Navigation: Die Bildfehler sind einfach nicht wegzubekommen!
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Zum Schluss ein Vergleich der Inhalte und Detaillierung der Kartenanzeige - links der Nyon rechts der Garmin Oregon 600. Beide mit OpenStreetMap Karte.
Die Aufnahmen entstanden zur gleichen Zeit am gleichen Ort!
Rechts sieht man alle möglichen Feld- und Teerwege. Links im wesentlichen nichts.
Der nächste Schritt war der Vergleich der gpx-Aufzeichnung aller drei Geräte.
Zunächst die summarischen Routenangaben aus Garmin Basecamp (nach dem Import der jeweiligen GPX-Dateien):
2016er Nyon2014/15er NyonGarmin Oregon 600
Distanz31,6 km31,8 km31,2 km
Trackpunkte2456 25711320
Verstrichene Zeit1:46:31 h1:47:01 h1:46:56 h
Durchschnitt gesamt18 km/h18 km/h17 km/h
Anstieg465 m489 m478 m
Abstieg466 m489 m473 m
Jetzt schauen wir uns auch einmal die Tourdaten aus dem Bosch eBike Connect Portal bzw. direkt aus dem Garmin Gerät an:
2016er Nyon2014/15er NyonGarmin Oregon 600
Distanz32,05 km32,66 km31,17 km
Trackpunktenana1320
Verstrichene Zeit01:34 h01:35 h1:46:56
Durchschnitt in Fahrt20 km/h20 km/h19,5 km/h
Anstieg467 m492 m478 m
Abstieg476 m500 m473 m
Und nun zum Vergleich der GPX-Tracks im Detail: Blau ist das neue Nyon, rot das alte und grün das Garmin Oregon.
Schon nach kurzer Fahrt hat mein 2016er Nyon (blau) zwei unerklärliche Aussetzer.
Im weiteren Verlauf der Fahrt tritt das noch drei mal an unterschiedlichen Stellen auf.
Die anderen beiden Geräte haben keine Aussetzer bei der Trackaufzeichnung.
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Unter strahlend blauem, wolkenlosem Himmel auf freien Feldern tun sich die drei Geräte hinsichtlich Genauigkeit der aufgezeichneten Tracks praktisch nichts.
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Im tiefen Wald weichen alle drei mehr oder weniger vom Weg ab - allerdings ohne, dass man einen klaren Sieger ausmachen könnte.
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Das ist knifflig: Fahrt durch einen tiefen Hohlweg, der noch dazu an den Rändern von dichtem Wald und Unterholz bestanden ist. Nahezu keine freie Sicht auf den Himmel. Das Oregon (grün) verortet uns auf dem parallelen Radweg außerhalb der Hohle, die beiden Nyons erkennen weitgehend den richtigen Weg.
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Tja, abgesehen vom zusätzlichen Kartenspeicher bietet der 2016er Nyon keine Verbesserungen gegenüber dem 2014/15er Modell. Gleiche Geschwindigkeit, gleiche Bedienoberfläche, gleich bescheidene Kartendarstellung, gleiche Kartenfehler. Wir hoffen weiter.
10.09.2016 Kartenfehler
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Unser bisheriger Rekord: Nicht weniger als sieben (7) Bildfehler in einer Karte: Alle die senkrechten Linien gibt es nicht!
Diese Anzeigefehler wurden mit dem Update im August 2015 „eingeführt“ und in den folgenden beiden Updates (April 2016, August 2016) nicht behoben. Mal sehen, wie lange das noch geht.
Man kann sich behelfen, indem man alle paar Minuten einmal durch alle Zoomstufen klickt, also rund 10x auf den Joystick tippt. Danach stimmt die Kartendarstellung dann erst einmal wieder.
Weil der Joystick etwas schwabbelig ist, klappt das während der Fahrt aber nicht besonders gut. Besser ist es, dafür kurz anzuhalten.
Noch besser wäre es allerdings, Bosch würde das Problem endlich einmal beheben…
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Und noch ein Bildfehler: Rechts oben über der Entfernung bis zum nächsten Abbiegepunkt (im Bild: 400 m) sollte eigentlich ein Richtungspfeil erscheinen. Nach rund einer Stunde Navigation weigerte sich das Nyon aber, dort noch irgendetwas anzuzeigen.
Anhalten, Ausschalten und wieder Einschalten stellte nach ein paar Minuten Wartezeit den Normalzustand wieder her.
Man mag mich für pingelig halten, aber nach zwei Jahren und gefühlt einem halben dutzend Updates sollte man doch erwarten dürfen, dass zumindest die Grundfunktionen wie Karten- und Navigationsanzeige länger als nur für ein paar Minuten fehlerfrei laufen.
10.07.2016 GPX-Export
Nun ist es endlich passiert: Mit einem verhältnismäßig geringen Aufwand (nach eigener Aussage in Summe rund drei Arbeitstage) hat ein fähiger Programmierer eine Software für Windows und Mac-Rechner geschrieben, welche die Tourdaten aus dem Bosch Portal ausliest, am Bildschirm grafisch darstellt und endlich auch als GPX-Datei exportieren kann.
Der Download ist hier verfügbar.
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Da drängt es sich natürlich auf, die Genauigkeit der Streckenaufzeichnung beim Nyon genauer unter die Lupe zu nehmen, zumal ich sowieso bei allen Fahrten einen Garmin Oregon 650t parallel am Lenker montiert habe.

Wie man im linken Bild sieht, welches rund 10 Minuten nach Start der heutigen Tour bei strahlendem Sonnenschein und fast wolkenlosem Himmel aufgenommen wurde, hat der Nyon (rot) noch nicht genügend Satelliten gefunden, um eine genaue Position anzeigen zu können. Der Oregon (blau) ist da deutlich besser unterwegs, aber auch noch ein Stück von der tatsächlichen Route (rote Doppellinie) entfernt.

Nach rund 20 Minuten beruhigte sich der Nyon und zeigte die Route ab da mit überwiegend vergleichbarer Genauigkeit wie der Garmin an.
Trotzdem kam es auch im späteren Streckenverlauf gelegentlich wieder zu diesen unerklärlichen Aussetzern beim Nyon.

Aber auch bei Garmin ist nicht alles Gold, was glänzt: Mein Oregon schaltet sich mit schöner Regelmäßigkeit nach knapp 2h Fahrtzeit von alleine ab. Eine Ursache konnte ich dafür trotz vielem Herumprobieren (u.a. mit anderen Kartendaten, diversen Akkus usw.) nicht finden. Das ist schon mein zweites Gerät mit gleichem Verhalten und beide waren jahrelang intensiv im Einsatz. In den einschlägigen Foren finden sich viele ähnliche Meldungen - auch für andere Garmin Geräte (z.B. den Montana).
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Offenbar filtert Garmin die Positionsdaten, denn man kann grundsätzlich beobachten, dass die Route des Nyon (rot) stärker um die gefahrene Strecke herum schwankt als beim Oregon (blau). Das tritt besonders bei etwas schwierigeren Empfangsverhältnissen auf, wie hier im tiefen Wald (bei allerdings immer noch wolkenlosem Himmel).
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Hier fahre ich zunächst auf der (gelben) Hauptstraße von rechts unten nach Mitte oben. Der Nyon (rot) ist perfekt, der Garmin ziemlich weit ab. Dann geht es erst links und dann rechts um zwei Kurven auf dem schwarzen Weg. Die Kurve und die erste Strecke schafft der Nyon besser, die Strecke nach der zweiten Kurve (nach links unten) wiederum der Garmin. Zum Schluss eine Rechtskurve auf den Radweg (rote Doppellinie). Der Nyon (rot) zeigt das sehr gut, der Garmin (blau) ist fern ab.
In Summe (und nach dem Vergleich von vielen weiteren, hier nicht gezeigten Touren) tendiere ich zu einem Unentschieden, was die Genauigkeit beider Geräte betrifft. So richtig gut sind sie beide nicht.
27.06.2016 Update vom April 2016
Seit April gibt es wieder ein Update für das Nyon. Nachdem ich einige Fahrten damit unternommen habe, schildere ich hier kurz meine Eindrücke.
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Optisch fallen die neue, blaue Farbgestaltung und vor allem das völlig neue Dashboard auf.
Endlich sind die kindischen geretteten Bäume verschwunden (… meine Frau hat sie gemocht…). Neu hinzugekommen sind stattdessen die im laufenden Monat, im Vormonat und im bisher besten Monat gefahrenen Strecken. Das Ganze ist grafisch etwas unübersichtlich aufbereitet. Ich habe einige Tage gebraucht, um den Sinn zu verstehen, finde es jetzt aber recht gut.
Weiter kann man nun mit einem Blick sehen, ob WLAN, BlueTooth, Herzgurt und GPS verbunden sind. Ebenso die Versionsnummer der Nyon Software, die Uhrzeit und die gefahrenen Gesamtkilometer.
Die verbleibende Batterieladung wird nun prozentgenau angegeben - sehr schön.
Der Clou ist aber die Anzeige von Datum und Uhrzeit der letzten Synchronisation zwischen Nyon und Webportal. Diese kann man mit einem Klick nach rechts auch manuell anstoßen. So sollten wirklich alle Probleme mit dem Abgleich beseitigt sein. Man muss nur beachten, dass der Nyon die Daten manchmal erst ca. 3 Stunden nach Tourende zur Übertragung freigibt (vorher heißt es „laufende Aktivität“). Zu frühes Synchronisieren führt also nicht immer gleich zum Erfolg (teils aber schon - die Logik ist mir bisher verschlossen geblieben).
Die Synchronisation nützt allerdings nichts, wenn das Nyon während der Fahrt kein GPS Signal finden konnte: Ich bin heute mal wieder 1 1/2 h über 28 km unterwegs gewesen und der Nyon hat es während der gesamten Zeit nicht geschafft, das GPS Signal zu synchronisieren. Boschs Web-Portal kennt dann Strecke und Fahrtzeit, kann aber keinen Track anzeigen.

Was ist noch neu? Eher eine Kleinigkeit, aber der große Aufreger in den einschlägigen Internetforen: Die Anzeige der verbleibenden Batteriekapazität in Wattstunden (Wh) im benutzerdefinierten Bildschirm ist entfernt worden. Wer den Screen schon vor dem Update entsprechend konfiguriert hatte und danach nicht mehr ändert, behält die Anzeige. Allerdings hat sich die dort angezeigte Batteriekapazität mit dem Update in vielen Fällen offenbar auf magische Weise erhöht. Mir reicht auch die Prozentzahl im Dashboard.
Was mit dem Nyon weiterhin nicht geht, ist das Abspeichern der gefahrenen Stecke per gpx-Export. Dies wurde immerhin für das nächste Update im Herbst angekündigt.
Ebenso kann man die angezeigte Karte weiterhin nicht zur Orientierung verschieben.
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Die mit dem Update vom August 2015 eingeführten Bildfehler bei der Kartenanzeige sind immer noch vorhanden und teils wirklich störend.
Die beiden weißen Keile im Bild links gibt es in Wirklichkeit nicht. Vereinzelt habe ich bis zu drei Bildfehler gleichhzeitig gesehen. Da fällt die Orientierung dann schon etwas schwer…
Die iPhone App wurde aufgewertet und kann jetzt besser zur Navigation genutzt werden. Dort kann man die Karte auch zur Orientierung verschieben und durch Tippen beliebige Orte als Ziel festlegen (beides geht am Nyon nicht).
Das bereits zum letzten Update versprochene Nachladen von Kartendaten per BlueTooth aus der Smartphone App funktioniert nun tatsächlich. Das egalisiert die Nachteile des kleinen Speichers (512 MB) der Nyon Modelle 2014/15 gegenüber dem 2016er Nyon (8 GB).
Neu ist die Anzeige der topografischen Reichweite hinzugekommen. Diese Funktion muss allerdings erst einmal für 6 € im Webstore freigeschaltet werden. Danach wird nicht einfach nur ein runder Kreis um die aktuelle Position gezogen wenn man die Reichweite anzeigt, sondern die Landschaft (Aufstiege / Abstiege) wird im Detail berücksichtigt.
Aus meiner Sicht hat die Sache einen begrenzten Nutzen und ist mehr Gimmick als sinnvolles Feature. Zumal es beim ersten Aufrufen durchaus mehrere Minuten (!) dauern kann, bis die Karte bereit steht. Ich kann mir kaum vorstellen, wer in der Praxis darauf warten will.
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In der Beschreibung zum Update verspricht Bosch schließlich noch eine Schaltanzeige, die besonders effektive Gangwahl unterstützen soll. Davon ist auf den beiden Nyons in unserem Haushalt allerdings nichts zu sehen.

In Summe ist das Update vom April als eher kleines Update zu werten, das kaum neue Funktionen gebracht hat. Aber die Stabilität hat sich nochmals verbessert und es ist kostenlos für alle Nyon Besitzer, was sehr erfreulich ist.
28.02.2016 Aktueller Stand Anfang 2016
Nachdem das letzte Update nun schon einige Zeit zurück liegt ist es wohl an der Zeit, über meine Langzeit-Erfahrungen zu berichten.

Positives
  • Die Kommunikation zwischen Nyon und unserer WLAN Basisstation funktioniert mittlerweile zuverlässig. Sobald der Nyon in die Nähe des Funknetzes kommt, verbindet er sich automatisch.
  • Auch die Bluetooth Verbindung zum Handy (iPhone 6) geht inzwischen problemlos und zuverlässig.
  • Der Upload der gefahrenen Strecken zum Portal klappt seit Monaten reibungslos und schnell. Die früheren Probleme an dieser Stelle sind Historie.
  • Die Navigation ist gut, besonders die Routenführung „MTB“ (Mountainbike) macht mir großen Spaß.
  • Mit dem Import von gpx-Strecken hatte ich noch nie Probleme. Bei anderen Nutzern traten aber scheinbar vereinzelt Schwierigkeiten auf.

Negatives
  • Eigentlich sollte der Nyon seit dem letzten Update fehlende Kartendaten vom Handy bedarfsgesteuert automatisch nachladen. In der Praxis funktioniert das leider überhaupt nicht. Das Handy zeigt die Karte in aller Pracht und Schönheit an, auf dem Nyon Display sieht man nur eine öde Wüste. Aus Kontakt mit anderen Nyon Nutzern weiß ich, dass diese Funktion bei vielen (allen?) nicht funktioniert.
  • Seit dem letzten Update hat die Kartendarstellung am Nyon einen hässlichen Fehler: Alle paar Kilometer ziehen sich weiße, breite Streifen quer über das Bild. Reset und neues Laden der Kartendaten änderte daran nichts.
  • Der Nyon kann weiterhin nicht die gefahrene Route als GPX-Datei exportieren.
  • Die Kartenanzeige auf dem Nyon kann man zu Orientierung weiterhin nicht verschieben.
  • Es sind weiterhin keine freien Ziele am Nyon oder in der Handy Applikation eingebbar - nur solche, von denen man die postalische Adresse kennt. Immerhin kann man seit dem letzten Update in der Handy-App frei irgendwo auf die Karte tippen und sich dann dorthin eine Route berechnen lassen - endlich!
  • Die Kartendarstellung im ebike-connect Portal ist immer noch stotterig und springt zwischen verschiedenen Zoomstufen hin und her.
  • Das ebike-connect Portal ist weiterhin umständlich zu bedienen und reagiert oft nur langsam (ich habe hier 150 mbps Internet - daran liegt es also nicht).
  • Das Portal zeigt immer noch nicht die gesamten Höhenmeter oder die verbrauchten Kalorien einer Tour an.
  • Schließlich: Das Bosch ebike-connect Portal kommt von Bedienbarkeit und Funktionsumfang immer noch nicht annähernd an die Lösungen anderer Anbieter heran (z.B. Garmin Basecamp).

Ein neues „Feature“ seit dem letzten Update des Nyon ist der Fehler 531. Dieser tritt auf, wenn der Softwarestand der Drive Unit älter als 1.5 ist (im Februar 2016 ist 1.5.1 aktuell), d.h. bei allen bis Sommer 2015 gekauften Fahrrädern. Ändert man nun die individuellen Fahrmodi, dann hängt das System und zeigt den Fehler. Als Lösung kann man die individuellen Fahrmodi im ebike-connect Portal wieder resetten (das geht leider nicht unterwegs mit der Handy-App) und/oder die Drive Unit beim Händler auf den neuesten Software-Stand bringen lassen.

Fazit
Beim aktuellen Stand von Hardware und Software kann man den Nyon sicher für die meisten Anwender empfehlen. Besonders die große, helle und in allen Situationen hervorragend ablesbare Anzeige ist immer wieder beeindruckend. Die Routenführung ist ebenfalls wirklich gut und verlässlich.
An meinem Rad bleibt der Garmin Navi aber erst einmal parallel am Lenker, denn es nervt mich kolossal, dass man mit dem Nyon die gefahrene Strecke nicht abspeichern kann.
Und was nützt mir eine gute Navigation, wenn ich das gewünschte Ziel nicht (bzw. nur daheim am Rechner) eingeben kann? Auf der Handy-App kann man die Karte jetzt frei verschieben und auch an beliebiger Stelle per Fingertipp das Navigationsziel setzen.
06.09.2015 Update vom August 2015
Im August erschienen umfangreiche Updates für das Nyon, das Bosch Internet Portal und die Handy-App. Dabei wurde einige bisher schmerzlich vermisste Funktionen nachgeliefert. Aber auch Stabilität des Systems (Nyon und Portal) und Bedienbarkeit haben sich ganz deutlich verbessert. Weiterhin stiefmütterlich behandelt wird die iPhone App, deren Nutzen immer noch stark eingeschränkt ist.

Aber der Reihe nach:
Das
Internet-Portal (Bosch eBike Connect) wurde funktionell deutlich aufgebohrt.

Bei der Anzeige der Aktivitäten kann man jetzt zwischen „Tagen“, „Rides“ und „Trips“ umschalten. Dabei entspricht „Rides“ in etwa dem, was es bisher schon gab: Jede aufgezeichnete Strecke steht einzeln zur Auswahl. Hat man die Tour zwischendurch unterbrochen (oder ist das Nyon abgestürzt…), dann werden alle Teile einzeln gezeigt.
Bei den neuen Modi „Tage“ und „Trips“ werden zusammenhängende Touren endlich auch zusammenhängend angezeigt - egal, wie oft unterbrochen wurde. Unterbrechungspunkte erscheinen lediglich als Pausensymbol, die unter der Karte dargestellte Zeitleiste mit Geschwindigkeit, Höhe, Tritt- oder Herzfrequenz ist jedoch vollständig über die gesamte Tour. Hat man mehrere Touren an einem Tag gefahren (zum Beispiel eine am Morgen und eine am Abend), so erscheinen diese bei „Trips“ als zwei getrennte Touren, bei „Tage“ jedoch zusammenhängend als eine.

Bei der Routenplanung gibt es jetzt die neuen Optionen „Zeige auf Karte“ und „Zwischenziel hinzufügen“. Endlich kann man also per Klick in die Karte navigieren und damit auch Ziele ohne postalische Adresse anfahren. Auch lässt sich die Route nun mit Hilfe von Zwischenzielen genauer spezifizieren.
Das Ganze ist zwar nicht besonders intuitiv umgesetzt (einfach die gewünschten Punkte in der Karte anklicken oder die gezeigte Streckenführung mit der Maus wegziehen geht immer noch nicht), aber dennoch ein riesiger Schritt nach vorne.
Auch gibt es nun eine umfangreiche Liste mit „Sehenswürdigkeiten“ (Notfall, Fahrradbezogen, Essen, Gesundheit, Freizeit usw.), aus der man Ziel- oder Zwischenziel auswählen kann. Zur Auswahl stehen dabei alle „Sehenswürdigkeiten“ im gerade angezeigten, beliebig verschieb- und skalierbaren Kartenausschnitt. Man hat also jetzt wirklich völlige Freiheit, wohin man sich navigieren lassen möchte.

Die drei bisherigen Optionen der Routenführung („schnell“, „schön“, „kurz“) wurden überarbeitet: Statt „kurz“, was man sowieso nicht braucht, weil es ja schon „schnell“ gibt, wurde die Möglichkeit geschafften, speziell für Mountainbikes geeignete Strecken zu routen („MTB“). Dabei ist der Weg das Ziel: Der Nyon führt unter maximaler Vermeidung von geteerten Straßen durch Feld-, Wald- und Wiesenwege über Umwege locker zum gewählten Zielpunkt. Single-Tracks werden, soweit vorhanden, in die Strecke eingebaut, wobei dafür auch Umwege in Kauf genommen werden. Das Ganze funktioniert auch am Nyon selbst, muss also nicht vorab im Portal geplant werden. Ich habe das MTB-Routing nun schon einige Male ausprobiert und bin, als passionierter Mountainbike-Fahrer, begeistert. Die Streckenführung ist wirklich fast so gut wie geführte Touren.

Eine einmal im Portal erstellte und gespeicherte Route kann anschließend bei Bedarf auch wieder editiert werden (Ziele ändern oder hinzufügen).

Neben dem MTB-Routing ist das zweite Highlight des Updates der Import von GPX-Tracks. GPX-Dateien werden über das Internet-Portal hochgeladen. Es gibt ein paar Einschränkungen bezüglich des Dateiformats (nicht mehr als 20.000 Punkte, nicht mehr als 200 km), die aber praktisch nicht relevant sind. Das Portal versucht, den geladenen Track in eine navigierbare Route umzuwandeln, was meistens auch gut klappt. Anschließend steht die Route unter „gespeicherte Routen“ zur Verfügung und wird beim nächsten Synchronisieren auf das Nyon überspielt. Im Nyon weist ein rotes Fähnchen („new“) darauf hin, dass nun eine neue Route zur Verfügung steht.
Was sich hier so einfach anhört, hat in meinen Versuchen in der Praxis auch tatsächlich genauso einfach und intuitiv geklappt - großes Lob an Bosch! Die geladene Route wird am Nyon behandelt wie jede andere Navigation auch: Es gibt Abbiegehinweise, eine Anzeige der Entfernung zum Ziel und der voraussichtlichen Ankunftszeit. Wahlweise kann man sich zum Startpunkt der Strecke navigieren lassen oder einfach drauflosfahren. Die Fahrtrichtung ist beliebig. Je nachdem wie man loslegt, passt der Nyon nach ein paar Augenblicken seine Navigation an.
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Gelegentlich kommt es vor, dass der geladene Track so sehr von den Wegen der Nyon-Karten abweicht, dass eine Umwandlung in eine Route nur mit größeren Streckenänderungen möglich ist. Dann hat man die Wahl: Entweder akzeptiert man die Änderungen (und erhält eine routbare Strecke), oder man behält die Originalstrecke bei (wobei die Routenführung entfällt). Die beiden Alternativen werden im Internet Portal gezeigt, so dass man sich vor der Entscheidung orientieren kann (siehe Abbildung oben).
Entscheidet man sich dafür, den Track beizubehalten, dann wird dieser später am Nyon als dicke blaue Linie auf der 3D-Karte angezeigt. Es entfallen aber alle Navigationshinweise, darum muss man sich also selbst kümmern. Immerhin hat die Kartenanzeige so mehr Platz auf dem Bildschirm.
Die Ablesbarkeit der Route am Nyon ist übrigens ganz hervorragend. Auch bei schnellen Abfahrten genügt ein kurzer Blick um sicher zu sein, dass man sich noch auf der richtigen Strecke befindet.

In der
iPhone App gab es vergleichsweise wenige Änderungen:
Bei den Aktivitäten wird nun auch hier, wie schon im Internet-Portal, zwischen „Rides“, „Tage“ und „Trips“ unterschieden.
Auf der Karte lassen sich weiterhin keine Sonderziele suchen und auch keine Ziele per Fingertip aktivieren. Ich hatte regelmäßig die Fehlermeldung „Invalid - Der Zielort ist in angemessener Zeit nicht erreichbar“, obwohl das Ziel auf dem Auswahlbildschirm zuvor in kurzer Entfernung zum aktuellen Standort angezeigt wurde.
Erfreulich: Die Geldschneiderei mit dem Zukauf der Navigationsfunktion für weiter entfernte Ziele entfällt nun.

Ebenfalls neu (und wohl die einzige sinnvolle Neuerung der Handy App) ist der Kartenmanager: Man kann jetzt komplette Länderkarten vorab ins Handy laden. So kann man sich vor einer Reise mit allen benötigten Karten versorgen und braucht später vor Ort keine Internetverbindung mehr. Das Nyon holt sich dann die erforderlichen Kartenausschnitte nach Bedarf per Bluetooth vom Handy. Die komplette Deutschlandkarte belegt beispielsweise rund 900 MB.

Mir ist die iPhone App übrigens mehrfach abgestürzt, trotz neuestem Handy (iPhone 6). Die Eingabe einer neuen Route wollte auch nicht klappen.

Nun zum
Nyon selbst.
Das Update der Software funktionierte bei unseren beiden Nyons automatisch und völlig problemlos. Anschließend bekommt man den Hinweis, dass neue Kartendaten vorliegen. Die entsprechenden Updates muss man unter „Einstellungen“ bei „Karte & Navigation“ im Kartenmanager selbst vornehmen, was ebenfalls ohne Schwierigkeiten auf Anhieb funktioniert hat.

Die bisherigen Fehler bei der Anzeige von Höhen und Steigungsprozenten wurden korrigiert. Steigungsprozente werden nun realistisch dargestellt und sind praktisch identisch mit der Anzeige des Garmin Oregon 650t. Sogar besser: Der Nyon folgt der Geländeentwicklung schneller als das Oregon, die angezeigten Werte sind gefühlt deutlich genauer.
Auch die Höhenberechnung wurde korrigiert. Nach einer über 60 km langen, ziemlich abwechslungsreichen MTB Tour, die größtenteils durch dichten Wald führte, zeigte das Garmin 1115/1119 hm (auf/ab) an - der Nyon kam auf 1139/1145 - perfekt! Meine generelle Erfahrung nach einigen längeren Touren: Die Abweichung der Höhenmeter auf/ab liegt in der Regel unter 1%. Die Differenz der Höhenmeter zwischen Nyon und Garmin Oregon beträgt rund 1-2%. Besser geht es nicht.

Bei der Aufzeichnung des gefahrenen Tracks orientiert sich der Nyon scheinbar an der Art der Navigation: Wenn eine Route geführt wird, dann folgt die Spur den jeweiligen Wegen. Wenn jedoch nur ein Track auf der Karte angezeigt wird (ohne Navigationsführung), dann werden die tatsächlich gemessenen GPS Positionen aufgezeichnet. Dabei ist die GPS-Genauigkeit des Nyon sehr gut und teils deutlich besser als beim Garmin Oregon, der immer wieder mit der Aufzeichnung „hinterherhinkt“ (die Form der Strecke passt, ist aber gegenüber der Karte um einige dutzend bis hundert Meter versetzt). Wenn das Nyon jetzt noch in der Lage wäre, den gespeicherten Track als GPX-Datei zu exportieren, könnte man wirklich auf ein zusätzliches Outdoor-Navi verzichten. Aber das geht leider (noch?) nicht.

Fazit
Mit dem Update vom August 2015 hat das gesamte Nyon System einen großen Sprung nach vorne gemacht. Die Stabilität des Nyon ist jetzt sehr gut. Auch die Kopplung mit dem WLAN und die Synchronisation mit dem Internet-Portal klappt nun schnell und zuverlässig. Dringend benötigte Funktionen (GPX-Import, Definition von Zwischenzielen, freie Wahl von Zielen auf der Karte) wurden nachgeliefert, wenn auch nur im Internet-Portal und nicht auf dem Nyon selbst. Durch die Möglichkeit, Kartendaten offline am Handy speichern zu können, entfallen die Einschränkungen des geringen Speichers im Nyon. Die neue MTB-Routenführung hat mich begeistert.

Was leider noch fehlt:
  • Export von GPX-Dateien
  • Import von GPX-Dateien direkt auf das Nyon ohne Umweg über das Bosch eBike Portal (das heisst: Ohne Internetverbindung und ohne PC)
  • Anzeige der gesamten gefahrenen Höhenmeter in der Streckendarstellung im Portal
  • Freies Verschieben der Karte auf dem Nyon
  • Freie Wahl von Zielen und Zwischenzielen in der Karte auf dem Nyon bzw. der iPhone App.
19.06.2015 Neues zur Nyon Generation 2016
Wie Bosch auf einer Pressevorführung Mitte Juni 2015 bekannt gab, wird ab Herbst 2015 ein neues Nyon in den Verkauf gebracht.
Erste e-Bikes mit dem System sind für September angekündigt.
Das neue Gerät hat einen von 512 MB auf 8 GB erweiterten internen Speicher. Sonst scheint hardwaretechnisch nichts geändert worden zu sein.

Folgende Software-Funktionen wurde für Herbst angekündigt:
  • Bei der Navigation sind jetzt Wegpunkte möglich und zwar bis zu 10. Die Wegpunkte können direkt auf der Karte festgelegt werden. Dies scheint aber nur im Online-Portal und nicht auf dem Nyon selbst zu funktionieren. Es steht zu befürchten, dass die Nyon-Kartenanzeige weiterhin nicht verschiebbar ist.
  • GPX Routen können zukünftig im Online-Portal importiert werden. Eine Exportfunktion scheint weiterhin nicht vorhanden zu sein.
  • Bei der Navigation kann „MTB-Routing“ gewählt werden. Dies ersetzt die bisherige Option „Kürzeste Route“.
  • Es gibt eine neue Reichweitenberechnung, welche die Topografie berücksichtigt (5 € in-App Kauf).
  • Dafür entfallen die Zusatzkosten beim Kauf des weltweiten Routings.
  • Das Nyon bekommt eine Service-Intervall-Anzeige die angibt, wann das Rad zum nächsten Check beim Händler muss.
Die neuen Software-Features beziehen sich also überwiegend auf Änderungen im Online-Portal.
Weitere Details siehe velototal.de und pedelec-biker.com.

Die „alten“ Nyon erhalten im 4. Quartal 2015 ein Stabilitäts-Update, welches auch die neuen Softwarefunktionen zur Verfügung stellt.

Außerdem hat Bosch versprochen, weiterhin regelmäßig Software-Updates bereitzustellen, um die Stabilität zu verbessern.

Ab Herbst erscheinen auch offizielle Nyon-Nachrüstsets. Der Preis dafür wurde mit 550 € genannt.
Der neue Nyon passt auf die heutige Lenkerhalterung.
Aktuelle, inoffizielle Nachrüst-Angebote liegen weiterhin bei 600 €.

Schließlich wäre noch nachzutragen, dass inzwischen im Online-Portal neben Geschwindigkeits-, Höhen- und Trittfrequenzprofil auch ein Profil der Pulsfrequenz angezeigt wird, wenn man mit Brustgurt gefahren ist.
Allgemein ist mein Eindruck, dass sich die Stabilität der Datenübertragung vom Nyon ins Portal in den letzten Wochen durch diverse Änderungen, die Bosch offenbar im Portal vorgenommen hat, deutlich verbessert hat.
14.05.2015 Erste Fassung des Nyon Testberichts
17.05.2015 Aktualisierung und Erweiterungen im Bereich Navigation
21.05.2015 Ergänzung der Fehlerliste

Einleitung

Mit der Radsaison 2015 kommt der neue Bosch Nyon Bike Computer in den Handel. Vorgestellt wurde er bereits im September 2013 auf der Eurobike in Friedrichshafen, aber erst jetzt stehen entsprechend ausgerüstete Räder bei den Fachhändlern.

Bosch lockt mit vollmundigen Werbeversprechen: „Der erste Bordcomputer, der alle Funktionen ... vereint. Die Zukunft des eBikens ... beginnt jetzt. “. Na, da schauen wir doch gerne einmal genauer hin.
Für den kaufwilligen, zukünftigen eBiker stellt sich die Frage, ob sich der happige Preis (rund 300 € Aufpreis bei Neurädern oder 600 € für ein Nachrüstkit) lohnt. Welche Zielgruppe soll mit dem Nyon glücklich werden? Eine einfache Frage, die, wie wir später noch sehen werden, gar nicht einfach zu beantworten ist.

Ich beschreibe im folgenden Praxisbericht den derzeit (Mai 2015) aktuellen Softwarestand und werde ggfs. in Anhängen spätere Weiterentwicklungen nachtragen.

Kurz zu meiner Radhistorie: Ich bin seit vielen Jahren aktiver Mountainbiker (einige tausend Kilometer im Jahr, meist Cross-Country) und fahre seit 8 Wochen und knapp 1000 km erstmals ein eBike (Haibike XDURO allmtn RX mit dem Bosch Nyon). Kurz danach kam noch ein Hardtail-MTB (Cube Reaction Hybrid) für meine Frau ins Haus, auf dem ebenfalls ein Nyon Bordcomputer thront.
Das Video zum Test: Auffahrt aus dem Murgtal von Hilpertsau im Nordschwarzwald nach Kaltenbronn, dann Weiterfahrt über Pforzheim nach Bretten. Ingesamt 80 km Strecke und - laut Nyon - 1700 Höhenmeter.

Die Hardware

Das Nyon System besteht aus dem abnehmbaren Bordcomputer (rund 14,5 x 9 x 2 cm groß) mit 4,3 Zoll Display, einer Lenkerfernbedienung (Bedieneinheit), einer Smartphone App und dem Internetportal (www.ebike-connect.com).
Der Bordcomputer wird auf eine Halterung geschoben, die genau gleich aussieht wie bei dem einfacheren und etwas älteren Intuvia System. Er kann leicht vom Rad getrennt werden und ist dann auch unabhängig nutzbar. Der Nyon ist nicht direkt gegen das Intuvia austauschbar, weil bei der Lenkerfernbedienung der Joystick hinzugekommen ist. Es gibt aber im Handel Nachrüstkits zu kaufen, die alle erforderlichen Teile beinhalten.

Die gesamte Sensorik (Trittfrequenz, Geschwindigkeit, Drehmoment) befindet sich im Antrieb. In der Motorsteuerung werden auch die Daten des Rades abgespeichert (Raddurchmesser, gefahrene Kilometer etc.). Ein neues Nyon übernimmt diese Informationen daher automatisch vom Antrieb.
Die Hardware des Nyon macht einen guten, stabilen und langlebigen Eindruck. Schon beim ersten Einschalten sticht das Display ins Auge. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Highlight“: Hell und brilliant, mit hoher Auflösung. Egal ob gleißender Sonnenschein oder Tunneldurchfahrt: Der Nyon passt seine Helligkeit über einen Lichtsensor schnell und automatisch den Umgebungsbedingungen an und ist immer bestens ablesbar. Er übertrifft damit die Anzeigen aller aktuellen GPS Bike-Computer um Längen. Smartphones können in dieser Hinsicht, gerade im hellen Sonnenlicht, überhaupt nicht mehr mithalten. Die Scheibe spiegelt leider. Aufgrund der hohen Leuchtkraft und weil man das Gerät quasi automatisch mit dem eigenen Körper abschattet, ist das aber nicht allzu kritisch. Im Handel gibt es bei Bedarf Schutzfolien mit matter Oberfläche von Drittherstellern.
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Die Lenkerfernbedienung verfügt über die üblichen +/- Tasten zum Einstellen der Unterstützungsstufe, eine Home-Taste und einen kleinen Joystick, der in vier Richtungen gedrückt und auch von oben angetippt werden kann. Home-Taste und Joystick sind rechts neben dem Display auf der Anzeigeeinheit ein zweites Mal vorhanden. Leider ist die Fernbedienung nur für die linke Hand geeignet, weil sich bei Montage auf der rechten Lenkerseite alle Tasten auf den Kopf stellen.

Der Joystick ist für meinen Geschmack zu leichtgängig, die Druckpunkte sind schwammig. Meine Frau kommt damit gar nicht gut zurecht und muss immer sehr langsam fahren, um die gewünschten Schaltbefehle zuverlässig auszuführen. Bei holpriger Fahrt lässt er sich kaum präzise bedienen und führt ein seltsames Eigenleben. Dann schaffe auch ich es nicht mehr, Schaltbefehle gezielt abzusetzen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Das Display des Nyon ist kein Touchscreen. Das hat, wie wir später noch sehen werden, einige Einschränkungen bei der Bedienbarkeit zur Folge.

Rechts am Nyon ist eine USB-Buchse angebracht. Damit kann der Nyon geladen werden, wenn er nicht am Rad befestigt ist (der Nyon hat für den abgesetzten Betrieb einen kleinen Stützakku, der bei Montage auf dem Rad automatisch nachgeladen wird). Am Rad kann die Buchse dazu dienen, ein Handy mit Strom zu versorgen. Das ist eigentlich eine gute Idee. Aber: Die Buchse liefert mit 500 mA gerade einmal 1/5 des Ladestroms aktueller 12 W USB Ladegeräte. Das reicht bei modernen Smartphones kaum für den laufenden Betrieb, an ein Aufladen ist gar nicht zu denken. Hinzu kommt, dass das benötigte Adapterkabel dem Nyon nicht beiliegt und im Handel nur schwer zu bekommen ist.

Das Bedienkonzept

Der Nyon kann vier unterschiedliche Bildschirme anzeigen (Dashboard, Ride, Karte&Navigation, Fitness), die nachfolgend der Reihe nach vorgestellt werden. Dabei unterscheidet Bosch auch farblich, was eine einfache und intuitive Orientierung erleichtert: Der Ride-Bildschirm ist in blauen Farbtönen gehalten, die Karte grünlich und der Fitness-Bildschirm rötlich bzw. gelblich. Die gleiche Farbgebung wird auch für die Datenfelder verwendet, die man sich auf zwei benutzerdefinierten Bildschirmen frei zusammenstellen kann.
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Die vier Bildschirme lassen sich durch Bewegen des Joysticks nach oben oder unten durchschalten. Die Home-Taste wechselt dabei immer zwischen dem gerade aktuell angezeigten Bildschirm und dem Standard-Bildschirm (normalerweise Ride) hin und her. Alternativ kann man den Joystick nach links tippen und bekommt dann eine Menüliste angezeigt. Auf diese Weise erreicht man auch die Geäteeinstellungen.
Nach dem Einschalten wird man vom Dashboard, dem „obersten“ der vier Bildschirme begrüßt. Hier wird angezeigt, an wie vielen Tagen man das Rad benutzt hat und wie viele Kilometer insgesamt zurückgelegt wurden. Außerdem die Gesamtkosten aller Akku-Aufladungen, die theoretischen Kosten für das Auftanken eines PKW bei gleicher Fahrtstrecke sowie schließlich die Anzahl der durch die CO2-Einsparung geretteten Bäume.
Offen gestanden erschließt sich mir der Sinn des Dashboards nicht. Außer der Angabe der Gesamtkilometer sind alle anderen Daten nutzlos bis blödsinnig. Und die Gesamtkilometer kann man sich bei Bedarf auch auf dem benutzerdefinierten Ride-Bildschirm anzeigen lassen.
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Ride: Alles unter Kontrolle ?

Der zweite Bildschirm (Ride) ist die Standardanzeige, die man im Betrieb wohl meistens eingeschaltet haben wird.
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Hier werden Geschwindigkeit, gefahrene Streckenlänge, Durchschnitts-geschwindigkeit, geschätzte Reichweite des Akkus, Ladestand des Akkus (5 Balken, die in halben Schritten herunterzählen) und die Unterstützungs-stufe angezeigt. Ein nettes Feature ist die dynamische Visualisierung der vom Motor geleisteten Unterstützung: Ein blauer, kreisrunder Balken baut sich kreisförmig um den Tacho auf. Die eigene Tretleistung schließt sich als grauer Balken an den blauen an. Die Beschreibung klingt zugegebenermaßen kompliziert, die Sache ist aber grafisch sehr schön umgesetzt und intuitiv erfassbar.

Jeder große Strich repräsentiert 200 W, die kleinen Striche dazwischen jeweils 100 Watt. Somit erreicht man 600 Watt Systemleistung, wenn ein halber Kreis voll ist. Die maximale Anzeige liegt bei 900 Watt (3/4 Kreis).

Weitere, kleine Anzeigen stellen die aktuelle Uhrzeit, die Stärke von GPS- und WLAN-Empfang sowie die Bluetooth Kopplung dar. Schmerzlich vermisst wird die Fahrtzeit. Diese gibt’s nur auf dem vierten Bildschirm (Fitness).

Bewegt man den Joystick zwei mal nach rechts, dann kommt man auf den benutzerdefinierten Ride-Screen.
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Dieser lässt sich flexibel auf die eigenen Wünsche anpassen und ersetzt bei Bedarf den Standard-Screen. Grundsätzlich stehen drei verschiedene Layouts zur Verfügung:

Layout 1:
Eine große Grafik, keine Datenfelder
Layout 2:
Eine kleine Grafik, 1 großes Datenfeld,
4 kleine Datenfelder
Layout 3:
Gar keine Grafik, 3 große Datenfelder,
6 kleine Datenfelder (siehe links)

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Für die Grafiken (klein oder groß) gibt es folgende Auswahl:
  • Trittfrequenz [1/min]
  • Geschwindigkeit [km/h]
  • Energieverbrauch [Wh/km]
  • Höhe [m]
  • getretene Leistung [W]
  • Herzfrequenz [1/min]
Allerdings ist nur eine davon wählbar.


Alle Grafiken zeigen auf der horizontalen Achse immer die letzten 7 gefahrenen Kilometer an. Der Maßstab kann nicht geändert werden und man kann auch nicht zurückscrollen oder vorscrollen, was für die Anzeige des kommenden Höhenprofils bei der Navigation sinnvoll wäre. In der vertikalen Achse ist der Maßstab ebenfalls vorgegeben und fest. Nach Bedarf schiebt sich die gesamte Anzeige herauf oder herunter (der Nullpunkt wird also unterdrückt). Doch es bleibt immer beim vorgegebenen, fixen Maßstab.
Die großen Datenfelder zeigen jeweils zwei Informationen auf einmal an:

  • Reichweite [km] und Batterieladung [Balken]
  • Geschwindigkeit [km/h] und maximale Geschwindigkeit [km/h]
  • Fahrtstrecke bis zum Ziel [km] und voraussichtliche Fahrtzeit bis zum Ziel [min]
  • Aktueller Energieverbrauch [Wh/km] und Restkapazität des Akkus [Wh]
  • Gefahrene Höhenmeter auf [m] und ab [m]
  • Durchschnittliche eigene Tretleistung [W] und maximale eigene Tretleistung [W]
  • Durchschnittliche Pulsfrequenz [1/min] und maximale Pulsfrequenz [1/min]
  • Durchschnittliches selbst getretenes Drehmoment [Nm] und maximales Drehmoment [Nm]
Für die kleinen Datenfelder stehen folgende Optionen zur Verfügung:

  • Gefahrene Strecke der Tour [km]
  • Gesamte Fahrtstrecke des Nyon [km]
  • Gesamte Fahrtstrecke des Rades [km] (diese kann durchaus länger sein als die gesamte Fahrtstrecke des Nyon, wenn dieser beim Fahren zeitweise abgeschaltet war)
  • Aktuelle Trittfrequenz [1/min]
  • Durchschnittliche Trittfrequenz [1/min]
  • Aktuelle Geschwindigkeit [km/h]
  • Bisherige Fahrtzeit [min]
  • Aktuelle Uhrzeit
  • Aktueller Energieverbrauch [Wh/km]
  • Durchschnittlicher Energieverbrauch [Wh/km]
  • Unterstützungsstufe (0 bis 4 Balken)
  • Aktuelle Steigung [%]
  • Aktuelle Höhe [m]
  • Aktuelle eigene Tretleistung [W]
  • Bisher auf der Fahrt verbrannte Kalorien [kcal]
  • Aktuelle Pulsfrequenz [1/min]
  • Aktuelles getretenes Drehmoment [Nm]
  • Trainingseffekt [verbale Beschreibung]
Die Pulsfrequenz wird erfasst, wenn man einen kompatiblen Brustgurt nachkauft und mit dem Nyon koppelt. Bosch nennt in der Betriebsanleitung lediglich den Polar H7, aber nach Berichten in den einschlägigen Internetforen sind auch andere, moderne Bluetooth Brustgurte mit dem Nyon kompatibel. Auf der Webseite gibt man einige persönliche Daten (Gewicht, Trainingslevel) ein. Danach wird ein „Fitnesszustand“ berechnet und auf Wunsch angezeigt (von „Fitness erhalten“ bis „Überlastung“).

Die Liste der Datenfelder ist also beeindruckend lang. Es gibt nur weniges, was man sich darüber hinaus noch wünschen würde. Dazu gehört für mich eine Anzeige der vom Elektromotor erbrachten Leistung, eine Temperaturanzeige, die verbleibenden Höhenmeter bis zum Ziel und die aktuelle Pulszone.

Bei Bedarf kann man sich über die iPhone App (dazu später mehr) oder das Internet-Portal individuelle Fahrmodi programmieren. Normalerweise gibt es:
  • Eco (50% Unterstützung, 1 Balken)
  • Tour (120% Unterstützung, 2 Balken)
  • Sport (190% Unterstützung, 3 Balken)
  • Turbo (275% Unterstützung, 4 Balken).
Die Unterstützung setzt dabei je nach Trittgeschwindigkeit sanft ein und wird kurz vor Erreichen der Höchstgeschwindigkeit (27,5 km/h aufgrund der 10% Toleranz auf den gesetzlichen Höchstwert von 25 km/h) ebenso sanft ausgeblendet.
Mit den individuellen Fahrmodi ist es möglich, diese vier Unterstützungsstufen selbst zu definieren. Das Ganze lässt sich Bosch durch einen In-App-Kauf mit 5 € vergüten. Einen Sinn sehe ich persönlich darin nicht, denn die vier vorhandenen Modi sind für mich perfekt. Aber wer mag, kann sich hier austoben.

Navigation: Zuverlässig ans Ziel ?

Kartenanzeige und Fahrrad-Navigation sind sicher zwei Features, die auf besonderes Interesse stoßen. Die Karten sind freie Open-Street-Maps Karten und wurden von Skobbler für das Nyon aufbereitet. Zur Verfügung steht praktisch die gesamte Weltkarte, bis hin zu Afghanistan und Burkina Faso.
Die gewünschten Gebiete kann man sich, wenn der Nyon per WLAN mit dem Internet verbunden ist, kostenlos herunterladen. Für größere Länder (Deutschland, Frankreich) stehen einzelne Bundesländer oder Regionen zum Download bereit, bei kleineren Ländern das gesamte Gebiet.
Der Nyon hat intern magere 512 MB Speicher, die sich auch nicht durch Speicherkarten ergänzen lassen. Zum Vergleich: Das Kartenmaterial von Baden-Württemberg schlägt mit 138 MB zu Buche, Bayern mit 195 MB, Nordrhein-Westfalen liegt bei 196 MB, Österreich bei 173 MB, Holland bei 340 MB.
Allerdings kann man Karten beliebig löschen und neu laden. Außerdem ist es möglich, Karten unterwegs per Internet über die Smartphone-App zu laden. Der Nyon holt sich dann das gerade benötigte Gebiet per Bluetooth Verbindung.
Das funktioniert aber nur, wenn man eine gute Internet-Verbindung hat, also nicht im tiefen Wald und üblicherweise auch nicht im Ausland (teures Daten-Roaming). Jedenfalls sollte so jede praktische Situation abzudecken sein.

Die Darstellung der Karte ist recht gut gelungen. Auch kleinere Wege sind zu erkennen, die Anzeige ist einigermaßen kontrastreich und profitiert sehr vom hervorragenden Bildschirm. Fünf Maßstäbe stehen zur Verfügung (100 m, 400 m, 1 km, 6 km und 51 km), die sich der Reihe nach durch Tippen auf den Joystick umschalten lassen. Dass dies bei Fahrt auf rauem Untergrund nicht besonders zuverlässig funktioniert, hatte ich schon berichtet.
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Viele Informationen, die in den Open-Street-Maps Karten vorhanden sind, werden beim Nyon nicht angezeigt. Dies betrifft nicht nur alle Sonderziele, sondern auch einen Großteil der Differenzierungen der unterschiedlichen Straßen- und Wegtypen. Nicht einmal Bahngleise und -übergänge oder Haltestellen sind zu sehen. Immerhin werden im kleinsten Maßstab (100 m) die offiziellen Strecken des deutschen Radwegenetzes in dunkelgrüner Farbe angezeigt. Das hilft bei der Orientierung in unbekanntem Terrain.

Besonders negativ: Man kann den angezeigten Kartenausschnitt nicht verschieben! Die Karte wird immer auf die aktuelle Position zentriert. Schnell mal herausfinden, wohin der Feldweg führt, der da gerade abzweigt, geht also nicht. Das ist für mich eine wesentliche Einschränkung des Nutzens der Kartenanzeige.

Auch ist es nicht möglich, die Karte nach der Fahrtrichtung auszurichten. In den Einstellungen kann man entweder die 2D-Karte wählen, welche aber immer nach Norden orientiert ist, oder die 3D-Karte, welche immer in Fahrtrichtung orientiert ist. Bei guten GPS-Navigationsgeräten (Garmin Oregon) lässt sich die Orientierung durch kurzes Tippen auf die Kompassnadel umschalten, was ich gerne und häufig nutze. Das Nyon hat nichts Vergleichbares.

Bei Bedarf kann man durch Drücken des Joysticks nach rechts und oben eine Navigationsfunktion aufrufen. Die Eingabe des Ziels erfolgt wahlweise am Gerät, in der Smartphone-App oder vorab zu Hause im Internet Portal. Aber: Ziele lassen sich nur eingeben, wenn man die postalische Adresse kennt! Einfach auf einen Punkt der Karte tippen und losfahren geht also nicht. Damit fallen auch alle Ziele aus, die keine postalische Adresse haben (Forsthütte, See, Aussichtspunkte usw.).

Bei der Eingabe kann man sich auf Ortsnamen ohne Straße beschränken und wird dann zur Ortsmitte geführt. Das funktioniert seit kurzem auch im Internet-Portal.
Der Nyon hat offenbar einen kleineren Ortsspeicher als die Smartphone App. Besonders Orte, die offiziell einen Doppelnamen haben, werden regelmäßig vom Nyon nicht gefunden. Beispielsweise ist Sachsenheim-Hohenhaslach weder unter Sachsenheim, noch unter Hohenhaslach als Ziel eingebbar. Auch größere Orte mit Doppelnamen (z.B. Karlsruhe-Durlach) werden nicht vom Nyon gefunden. In der Smartphone App funktioniert dies aber - wenn man eine Internet-Verbindung hat.

Man kann auch „Letzte Ziele“, „Heimatadresse“, „Arbeitsadresse“ (dies aber nur in der Smartphone App), „Gespeicherte Orte“ oder „Gespeicherte Routen“ anfahren und sich so das neuerliche Eintippen eines zuvor gewählten Ziels ersparen.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, Sonderziele zu wählen, die vom Nyon vorgeschlagen werden. Dort muss man also die Adresse nicht kennen. Das wiederum geht aber nur am Nyon selbst, nicht in der Smartphone-App. Zur Auswahl stehen eine Vielzahl von Kategorien („Essen&Trinken“, „Unterkünfte“, „Restaurant“, „Verkehr“ und viele mehr). Wieder gibt es eine wesentliche Einschränkung: Sonderziele sind nur um die aktuelle Position herum verfügbar, nicht in der Nähe eines programmierten Ziels.

Wenn das Navigationsziel nun auf die eine oder andere Weise eingegeben wurde, werden drei alternative Routen vorgeschlagen: „Schnell“, „Schön“ und „
KurzMTB“. Der Nyon nennt jeweils Entfernung und geschätzte Fahrtzeit, die Smartphone-App zusätzlich die zu überwindenden Höhenmeter, die allerdings oft völlig übertrieben angegeben sind (mehr dazu weiter unten). Wie die drei alternativen Routen ermittelt werden, ist unklar. Manchmal ist die schnelle Route kürzer als die kurze Route. Die schöne Route bevorzugt scheinbar Berge und Waldwege, die kurze Route führt weniger über Radwege und auch über vielbefahrene Autostraßen.

Es ist nicht möglich, Zwischenziele einzugeben. Man kann die vorgeschlagenen Routen auch nicht per Maus (Internet-Portal) oder per Fingerzeig (Smartphone-App) auf eigene Bedürfnisse anpassen. Es ist nicht möglich, unterschiedliche Routeneigenschaften vorzugeben (nur Teerstraßen, bevorzugt Mountainbike-Wege, bevorzugt wenig Steigungen usw.). Gerade am Ende einer langen Tour würde man sich wünschen, Berge eher zu umfahren. Das geht mit dem Nyon nicht. Wenn der Weg über den steilen Berg kürzer ist, dann wird er auch genommen, und zwar oft gleichermaßen bei allen drei Alternativen (schnell, schön, kurz).
Der Nyon braucht zum Finden einer Route sehr viel länger als die Bosch-App auf dem Smartphone. Besonders im tiefen Wald (viele Forstwege) kommt er gar nicht zurecht. Hier wird die Routensuche regelmäßig nach einigen Minuten mit einer englischen Fehlermeldung abgebrochen. Oder aber, der Nyon stürzt komplett ab (weißer Bildschirm, Neustart) mit den üblichen Folgen (Unterbrechung der Routenaufzeichnung). Besonders nett: Wenn per Smartphone eine Route ermittelt wurde, die durch den Wald über trickreiche Waldwege führt, dann kann der Nyon diese Route zunächst leiten. Fährt man im Wald aber jetzt an einer Stelle anders, dann überfordert die Neuberechnung den Nyon und die Navigation bricht ab, ohne dass eine alternative Route gefunden werden kann. Die Smartphone-App ist jetzt auch keine Hilfe mehr, wenn im Wald kein Internet-Empfang vorhanden ist. Da steht man dann recht dumm da. Hoffentlich kann man sich am Sonnenstand orientieren…
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Weil mit den Open-Street-Maps Karten kein Geld zu verdienen ist, hat sich Bosch einen cleveren Trick ausgedacht: Die Navigation wird künstlich auf Ziele im 20 km Umkreis um die eingegebene Heimatadresse beschränkt. Wer diese Limitierung aufheben will, der zahlt. Und zwar 15 € für Deutschland, 25 € für ganz Europa oder 30 € für die ganze Welt. Wer zunächst Deutschland kauft und sich später für Europa entscheidet, kann nicht etwa die Differenz nachkaufen, sondern wird erneut mit den vollen 25 € zur Kasse gebeten. An und für sich sind die Preise überschaubar. Bedenkt man aber, dass der Nyon derzeit sowieso schon einer der teuersten Bike Computer auf dem Markt ist, dann stößt diese Geldschneiderei doch unangenehm auf.
Wenn die Navigation dann läuft, funktioniert sie überwiegend gut. Die Anzeige des Weges erfolgt in 3D und ist prima ablesbar. Der Navigationsbildschirm zeigt zusätzlich die verbleibende Strecke bis zur nächsten Abbiegung, die Strecke bis zum Ziel und die erwartete Ankunftszeit.
Außerdem in klein: Die aktuelle Uhrzeit, Ladestand der Batterie, gewählte Unterstützungsstufe, Bluetooth/WLAN Empfang und GPS-Empfangsstärke, Fahrgeschwindigkeit und schließlich eine Kompassnadel mit Nordausrichtung.
Der Kartenmaßstab ist wiederum durch Tippen auf den Joystick umschaltbar, wobei als kleinste Stufe sogar ein 50 m Maßstab vorhanden ist.

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Es sei noch darauf hingewiesen, dass es nach Richtungswechseln relativ lange dauert (rund 5 bis 10 sec), bis sich die Karte entsprechend gedreht hat. Das kann bei kurz aufeinanderfolgenden Abzweigungen zur Verwirrung führen.

Leider kann der Nyon keine akustischen Signale erzeugen (Piepston oder gesprochene Abbiegehinweise). Man muss also relativ oft auf das Gerät schauen, um keine Abbiegung zu verpassen.

Dennoch: Alles in allem ist die Navigation für normale Radfahrer wirklich gut brauchbar, wenn man die Probleme bei Zieleingabe und Routenwahl erst einmal gemeistert hat (und möglichst nicht durch allzu komplizierte Waldwege fährt). Nur ganz vereinzelt wurde ich auf Pfade gelotst, die entweder nicht mehr als Weg vorhanden (Acker) oder gesperrt waren (geschlossenes Tor). Überwiegend werden ausgewiesene, offizielle Radwege geroutet. Dabei klappt sogar die Richtungserkennung, wenn z.B. ein Radweg auf der „falschen“ Straßenseite für beiderseitigen Verkehr freigegeben ist.

Durch das Entfernen des noch eingeschalteten Nyon aus der Lenkerhalterung wird das Ende der Tour erkannt. Sobald eine WLAN oder Bluetooth Verbindung besteht, werden die Daten sofort und automatisch zum Internet-Portal hochgeladen. So weit die Theorie.

In der Praxis hat sich diese Upload-Funktion als äußerst fehleranfällig erwiesen. Gelegentlich dauert es nur Minuten, bis die Strecke übertragen ist, oft gehen Tage ins Land. Das Verhalten ist völlig erratisch. Es kommt vor, dass mein Nyon sofort synchronisiert und das daneben liegende Gerät meiner Frau erst Stunden oder Tage später. Nach der nächsten Tour ist es dann genau andersherum. Zur Stimulation soll es laut Betriebsanleitung helfen, den Nyon eingeschaltet in unmittelbare Nähe des Routers zu legen und nicht mehr anzufassen. Nach einiger Zeit schaltet er sich automatisch ab und sollte dann synchronisieren. Bei Bedarf, wenn die Synchronisation nicht geklappt hat, den Nyon wieder einschalten und erneut abschalten lassen. Ich habe diese Prozedur allerdings schon häufig ohne Erfolg ausgeführt. Besonders an Wochenenden, wenn die Server offensichtlich überlastet sind, hilft nur noch Warten. Manchmal erfolgt die Streckenübertragung bruchstückweise. Die fehlenden Abschnitte kommen meist irgendwann später nach.Beim Schreiben dieser Zeilen, heute ist Samstag, ist gerade einmal weniger als die Hälfte der Tour vom letzten Sonntag im Portal angekommen. Von der gestrigen Tour ist noch gar nichts zu sehen. Und ich habe den Nyon in der letzten Woche zusätzlich zu den vielen Einschaltversuchen auch noch auf das Rad gesteckt und wieder herausgezogen, um ein Tourende zu simulieren und damit die Synchronisation anzustoßen.

Es gibt keine Möglichkeit, gefahrene Touren in irgendeiner Weise aus dem Bosch-Universum zu exportieren. Das ist im Moment wahrscheinlich der größte funktionale Mangel des Gerätes. Ein Weitergeben von gefahrenen Strecken an Freunde oder Internet-Portale oder eine Analyse mit Tools von Drittherstellern (Garmin Basecamp, Strava, Trailrunner, Magic Maps usw. usf.) ist damit vollständig unmöglich.
Ebenso ist es nicht möglich, Touren in den Nyon zu importieren. Sie haben eine schöne Strecke im Internet gefunden und wollen diese nachfahren? Vergessen Sie’s. Geht mit dem Nyon nicht. Unglaublich für ein GPS-Navi im Jahr 2015!
Ein weiteres Ärgernis ist der immer wieder vorkommende Abbruch der Streckenaufzeichnung. Danach beginnt der Nyon einen neuen Track, dessen Daten getrennt vom ersten Track im Internet Portal erscheinen. Mit ein bisschen Pech kann eine Radtour so in drei oder vier Stücke aufgeteilt werden. Für dieses Problem gibt es verschiedene Ursachen. Die häufigste ist eine Fahrtunterbrechung von einigen Minuten Dauer, die zum automatisierten Abschalten des Nyon führt. Aufgrund der vielen Software Fehler ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass längere Touren in mehrere kürzere Abschnitte zerhackt im Portal ankommen.

Zur Illustration der GPS-Genauigkeit des Nyon nehme ich einmal die Aufzeichnung einer realen Radtour, die wir zu zweit nach Pforzheim auf den Wallberg gefahren haben. Die Tour wurde vorab mit Garmin Basecamp geplant und mit 53,5 km und 886 Höhenmetern angegeben. Da der Nyon keine geplanten Routen darstellen kann, war an meinem Lenker noch ein Garmin Oregon 600 montiert.



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Der Garmin zeigte am Ende 55,4 km (an einer Stelle sind wir einen Umweg gefahren) und 857 hm auf / 851 hm ab. Beide Werte sollten eigentlich gleich sein, da der Zielpunkt identisch ist. Die Unterschiede ergeben sich aus Drifts in der barometrischen Höhenmessung. Eine Abweichung von nur 6 Metern über eine Fahrzeit von 3h 12min ist ganz hervorragend.

Jetzt die Daten des Bosch Nyon: Zunächst einmal hat der Nyon die Streckenaufzeichnung in zwei Teile zerrissen, weil wir uns auf dem Wallberg einige Minuten umgeschaut haben (ohne dabei das System auszuschalten oder sonstwie anzufassen!). Die erste Strecke sind 26,9 km, die zweite 29,9 km. Also in Summe 56,8 km, was deutlich weiter als beim Garmin ist. Die Fahrtzeiten sind mit 1h 34min und 1h 37min angegeben. Also zusammen 3h 11min, was gut hinkommt.
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Das Bosch Internet Portal (www.ebike-connect.com) zeigt wahlweise eine Grafik der Geschwindigkeit, der Höhe oder der Trittfrequenz, jeweils über der gefahrenen Strecke. Für jede Grafik wird Max- und Mittelwert genannt. Zusätzlich sieht man die Gesamtstrecke und die Fahrtzeit. Man kann mit der Maus durch die Grafik scrollen und bekommt dann den jeweiligen Augenblickswert angezeigt.

Insbesondere die gefahrenen Höhenmeter, welche für viele Radler wohl mit die wichtigsten Daten sind, werden im Internet Portal nicht angegeben. Ebenfalls fehlen Trittleistung
und Herzfrequenz. Immerhin: So lange noch keine neue Tour gestartet und damit die alten Werte genullt wurden, kann man die gefahrenen Höhenmeter direkt am Nyon ablesen (vorausgesetzt, der benutzerdefinierte Screen ist entsprechend programmiert – von Haus aus zeigt der Nyon die Werte nicht an!). Für unsere Tour ergeben sich 1158 hm aufwärts und 1147 hm abwärts. Ein Vergleich mit dem Garmin (und mit meiner Erfahrung) zeigt, dass diese Werte völlig unrealistisch hoch sind. Solche Abweichungen haben sich durchgehend bei allen Strecken gezeigt.

[Aktualisierung vom 12.07.2015: Heute bin ich im Mountainbike Park Pfälzer Wald die Tour 1 (Rodalben) gefahren. Der Bosch Nyon sagt: 2100 hm, ein parallel am Lenker montierter VDO GP7 liegt bei 1770 hm, Magic Maps Tour Explorer zeigt aus den Höhendaten der aufgezeichneten Tour 1550 hm und mit selbst gerechneten Höhendaten aus der 1:25.000 Topo Map DL 1130 hm - alles jeweils Mittelwerte auf/ab. Die offizielle Angabe des MTB-Parks sind 1170 hm.]Die Anzeige der Höhenmeter des Nyon kann man also leider vergessen. Genauso falsch wie die Höhenangaben ist übrigens auch die Anzeige der aktuellen Steigungsprozente. Nur ist diese lim Gegensatz zur Höhe viel zu niedrig: Nur etwa der halbe Wert der wirklichen Steigung wird angezeigt.
So schön die Navigationsfunktion des Nyon grafisch umgesetzt ist: Sie leidet offenbar erheblich unter Funktionsarmut. Ich habe die wichtigsten Mängel einmal zusammengefasst:
Fehlende, unverzichtbare Basisfunktionen

  • Freies Verschieben des angezeigten Kartenausschnittes
  • Freie Wahl des Navigationsziels auf der Karte [geht nun, aber nur im Internet Portal]
  • Export der aufgezeichneten Strecke als gpx-Datei
  • Import von gpx-Dateien mit Anzeige des geladenen Tracks
Fehlende, wichtige und nützliche Zusatzfunktionen

  • Realistische Anzeige der gefahrenen Höhenmeter auf/ab in der Trackauswertung (Internet-Portal)
  • Anzeige von getretener Leistung und Pulsrate im Internet-Portal
  • Navigation auf Basis von importierten gpx-Tracks
  • Abspeichern und Verwalten von gpx-Tracks direkt im Gerät
  • 2D Anzeige zwischen Fahrtrichtung und Nordrichtung umschaltbar
  • Akustische Abbiegehinweise
  • Direkter Download der gefahrenen Tourendaten per USB Kabel auf den heimischen Computer ohne Umweg über das instabile WLAN und ohne Umweg über die überlasteten Bosch Server.
  • Mehr Optionen bei der Wahl der Route, vollständiger Ortsnamensspeicher im Nyon, zuverlässigere Routenfindung auch auf Waldwegen

Fitness: Effektiv trainieren ?

Der vierte und letzte Bildschirm behandelt das Thema „Fitness“. Ähnlich wie bei der Kartendarstellung und Navigation ist die Optik wieder hervorragend.
Und ähnlich wie beim Ride-Bildschirm kann man sich auch hier eine benutzerdefinierte Anzeige zusammenstellen, wobei die zur Verfügung stehenden Layouts und Datenfelder die selben sind.
Schließlich: Ähnlich wie die Navigation leidet auch der Fitnessbereich unter einer erschreckenden Funktionsarmut. Doch dazu später.
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Der Fitness-Bildschirm gleicht optisch dem Ride-Bildschirm, zeigt aber die Tretleistung in Watt oder die Herzfrequenz, falls ein Brustgurt per Bluetooth gekoppelt wurde, anstelle der Geschwindigkeit an.
Rechts neben der Grafik werden zwei kleine Datenfelder (verbrannte Kilokalorien, Trittfrequenz) und ein großes Datenfeld (Durchschnittsgeschwindigkeit, Fahrtzeit) dargestellt.
Der Unterstützungsbalken wird ersetzt durch eine Fitness-Anzeige, die auch verbal den aktuellen Status nennt (Fitness erhaltend, Fitness verbessernd, Überbelastung). Wie Bosch auf diese Einschätzung kommt, bleibt ein Geheimnis. Zumindest bei mir wurde ohne Brustgurt nach kurzer Fahrtzeit immer „Überlastung“ angezeigt, auch wenn ich entspannt und pudelwohl vor mich hinfuhr. Mit Brustgurt basieren die Statusmeldungen auf dem gemessenen Puls und sind offenbar etwas realistischer.

Verglichen mit echten Trainingscomputern (Garmin Edge, Mio Cyclo usw.) fehlen dem Nyon nahezu alle wichtigen Fitness-Funktionen:
  • Stoppuhr (Zwischenzeiten, Rundenzeiten)
  • Rundenbasierte Durchschnittsgeschwindigkeit
  • Anzeige von Pulszonen
  • Leistungszonen-Trainer
  • Abfahren von Segmenten
  • Vergleich von eigenen oder fremden (Internet) Bestzeiten
  • Upload und Download von Segmenten (Zeiten, Route), z.B. aus www.strava.com
Offenbar sind Hobby-Sportler nicht die bevorzugte Zielgruppe für Bosch.

Smartphone-Funktion: Bestens vernetzt ?

Die Smartphone App dient hauptsächlich zum in-App-Kauf der Routenoptionen (wie erwähnt: Zwischen 15 € für ein Land bis 30 € für die ganze Welt), zum in-App-Kauf und Einstellen der individuellen Fahrmodi (5 €) und zum Einstellen der benutzerdefinierten Bildschirme. Besonders letzteres wird man am Anfang häufiger nutzen.

Zusätzlich kann man Navigationsziele eingeben, was etwas komfortabler als am Nyon selbst geht, weil man eine Tastatur zur Verfügung hat. Allerdings ist auch hier eine grafische Eingabe durch Tippen auf die Landkarte nicht möglich. Auch werden am Smartphone keine Sonderziele (Einkaufen, Bahnhöfe etc.) zur Auswahl angezeigt - das geht nur am Nyon selbst.

Schließlich kann man sich gefahrene Routen anzeigen lassen. Immer vorausgesetzt, diese sind endlich auf die Bosch Server hochgeladen worden und die Server sind nicht mal wieder abgestürzt.

Leider ist die Bluetooth Verbindung zwischen Nyon und Smartphone ziemlich wackelig. Manchmal klappt die Verbindung auf Anhieb, manchmal auch nach 10 Anläufen nicht. Insgesamt ist der Nutzwert der Smartphone-App gering.
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Missing Features

Es gibt einige Funktionen, die von Bosch seit 2013 beworben werden, aber in den aktuell ausgelieferten Nyons nicht vorhanden sind.
Dazu zählen:
  • Eine Fernbedienung für den MusicPlayer im Smartphone
  • Die Anzeige der realistischen Reichweite auf der Karte unter Berücksichtigung der Topografie
  • Die Anzeige von SMS Nachrichten
Es wird zwar angezeigt, dass eine Nachricht empfangen wurde, der Nachrichtentext selbst wird aber nicht angezeigt (andere Bike-Computer können das). iMessage Nachrichten werden ebenfalls angekündigt, allerdings ohne Namensnennung (es erscheinen nur drei Punkte). WhatsApp habe ich nicht ausprobiert.
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Bugs

Die nachfolgende Liste sollte einen einigermaßen vollständigen Eindruck der immer noch im Nyon vorhandenen Software-Fehler geben. Stand: Software Update vom April 2015.

  • Zu "frühes" Losfahren nach dem Einschalten führt dazu, dass die Strecke nicht aufgezeichnet wird, obwohl die blaue Fahrspur scheinbar korrekt in der Karte erscheint. Man erkennt den Fehler daran, dass Kilometerzähler (Ride-Bildschirm) und Fahrtzeit (Fitness-Bildschirm) nicht laufen. Abhilfe: Nyon ausschalten und nach kurzer Wartezeit wieder einschalten. Danach einige Minuten warten, ohne das Rad zu bewegen (mindestens so lange bewegungslos warten, bis stabiler GPS Empfang vorhanden ist). Anschließend klappt die Streckenaufzeichnung meistens.
  • Bei Fahrtunterbrechungen von rund 1/4 h oder mehr (Eisdiele & Co) schaltet sich der Nyon selbstständig aus. Das führt zur Unterbrechung der Streckenaufzeichnung.
  • Wenn man längere Strecken fährt (beginnend irgendwo bei 50 – 80 km) wird der Nyon immer träger und stürzt schließlich komplett ab (weißer Bildschirm, anschließend automatischer Neustart). Das führt zur Unterbrechung der Streckenaufzeichnung.
  • Selten kommt es vor, dass der Nyon aus unerfindlichen Gründen während der Fahrt so vollständig abstürzt, dass alle Benutzerdaten gelöscht werden (Werksreset). Damit sind dann auch die noch nicht ins Portal hochgeladenen Touren verloren. Alle persönlichen Daten müssen neu eingegeben oder vom Smartphone synchronisiert werden.
  • Bei nahezu leerer Batterie (etwa bei 5% Restkapazität) kommt es vor, dass nicht nur der Motor abschaltet, sondern gleich das ganze Nyon System. Das führt zur Unterbrechung der Streckenaufzeichnung.
  • Die Bosch Internet Server sind bei starkem Zugriff (Wochenende) häufig überlastet. Schon einige Male habe ich erlebt, dass das Internet Portal tagelang überhaupt nicht erreichbar war und auch die iPhone App keine Verbindung aufbauen konnte.
  • Die Synchronisation mit den Internet Portal ist allgemein sehr unzuverlässig und kann Tage dauern.
  • Die Anzeige der gefahrenen Höhenmeter ist bei unregelmäßiger Strecke (Waldweg) unrealistisch hoch (teilweise 50% mehr als real gefahren). Bei längeren, gleichmäßigen Steigungen über Teerstraßen mit gleichbleibend gutem GPS Empfang gibt es hingegen keine Probleme mit der Höhenberechnung.
  • Die Anzeige der Steigungsprozente ist zu niedrig (nur etwa halb so viel, wie real vorhanden).
  • Die WLAN Verbindung des Nyon ist empfangsschwach. Das Gerät muss in direkter Sichtverbindung zum Router sein, damit die Verbindung zuverlässig funktioniert. Selbst dann verschwindet der erste Empfangsstärkebalken bereits nach wenigen Metern Abstand. Gelegentlich kommt es auch vor, dass sich eines unserer Nyons partout nicht mehr mit dem WPA2 gesicherten WLAN verbinden will, sondern nur noch mit ungesicherten WLANs.
  • Die Bluetooth Verbindung mit dem Handy klappt nicht zuverlässig. Oft sind mehrere Versuche und mehrere Neustarts der iPhone-App nötig, bevor die Kopplung steht.
  • Nach längerer Fahrtzeit mit Kartenanzeige auf kleinstem Maßstab (100 m) verschwinden plötzlich die meisten Straßen aus der Anzeige. Abhilfe: Den Maßstab per Druck auf den Joystick einige Male verändern.
  • Navigation am Nyon funktioniert nicht auf (komplizierten) Waldwegen.
Immerhin arbeitet Bosch kontinuierlich an der Verbesserung der Software. Es wurden bisher zwar keine neuen Features hinzugefügt, aber alle 6 Monate erscheinen Updates mit Fehlerkorrekturen.

Fazit

Die Stärken des Bosch Nyon liegen eindeutig im fantastischen Display und der grafischen Aufbereitung der vielen zur Verfügung stehenden Datenfelder. Durch die hohe Flexibilität mit zwei benutzerdefinierten Bildschirmen sollte wirklich jeder sein bevorzugtes Setup finden können. Das Anschauen macht beim Fahren so viel Spaß, dass man manchmal von der Landschaft gar nicht mehr viel mitbekommt ☺. In dieser Hinsicht steckt der Nyon jeden anderen aktuellen Radcomputer locker in die Tasche.

Auch die Navigation, wenn man denn endlich ein Ziel eingegeben bekommen hat, ist grafisch gut umgesetzt und profitiert vom tollen Display. Sie ist unter allen Lichtverhältnissen gut ablesbar und führt bevorzugt auf Radwege, was bei anderen Bike-Computern nicht immer der Fall ist.

Sehr negativ ist die auffallende Funktionsarmut bei Navigation, Kartendarstellung und Fitness-Funktionen zu verbuchen.
Auch die vielen Software-Fehler nerven. Das Nyon-System (Gerät, Smartphone App, Internet-Portal) ist offensichtlich nicht ausgereift.

Also für wen ist der Nyon eigentlich gedacht?

Für Menschen, die bewusst und aktiv ihre Fitness verbessern wollen? Sicher nicht, es gibt ja nicht einmal eine Stoppuhr oder Pulsbereichs-Training.

Für Mountainbiker und alle, die in unbekanntem Gelände unterwegs sind und ihre Route aktiv planen und nachvollziehen möchten? Schwerlich: Der Nyon kann ein „richtiges“ Outdoor-GPS nicht ansatzweise ersetzen, weil nicht einmal das simple Aufzeichnen der gefahrenen Strecke per gpx-Datei möglich ist. Dazu kommen die häufigen Streckenunterbrechungen durch Software-Bugs. Selbst rüstige Pensionäre (ich habe einige davon in meiner Familie) werden sofort an Grenzen stoßen, wenn sie die Kartenanzeige zur Orientierung verschieben oder ein Ziel irgendwo im Freien anfahren möchten.

Tatsächlich eignet sich der Nyon am besten, wenn man die Funktionen üblicher GPS-Radcomputer nicht benötigt und nicht nutzen will.

Denn der Nyon kann einen GPS-Radcomputer nicht ersetzen und nur als Ergänzung ist er einfach zu teuer: Ein gutes Outdoor-GPS (Garmin Oregon 600 & Co) gibt’s für 280 €, einen guten Bike-Sportcomputer (Garmin Edge 800 & Co) schon ab 250 €. Also weit weg von den 300 € Aufpreis bei Neurädern bzw. 600 € für den Nachrüstsatz, die Bosch verlangt (zuzüglich bis zu 35 € für die Freischaltung aller „Premium“-Features). Und diese Geräte bieten alle einen wesentlich höheren Nutzwert als der Nyon. Nur auf das tolle Display muss man dann verzichten.

Stärken

  • Hervorragendes Display (derzeit das Beste in diesem Marktsegment)
  • Sehr professionelles, optisch ansprechendes Styling
  • Einfache Bedienlogik
  • Viele Datenfelder mit flexibel einstellbaren Layouts
  • Navigation mit fahrradtauglicher Streckenführung bevorzugt über Radwege

Schwächen

  • Fummelige Bedienung per Joystick, kein Touchscreen
  • Wenig Funktionalität, besonders bei Karten, Navigation und Fitness, was leider auch für die Smartphone App und das Internet Portal gilt
  • Eingabe von Navigationszielen umständlich
  • Kein Im- und Export von Tracks (gpx-Dateien)
  • Detailarme Kartendarstellung
  • Upload der Daten ins Internet-Portal äußerst unzuverlässig
  • Kein direkter, lokaler Datentransfer per USB-Kabel
  • Auch nach dem neuesten Update (April 2015) immer noch viele Softwarefehler