Fuji X

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Das Fujinon XF 55-200mm 1:3.5-4.8 Objektiv
The Fujinon XF 55-200mm 1:3.5-4.8 Lens
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Vor rund einer Woche fand Fujis neues Tele-Zoom Objektiv den Weg zur mir. Ich hatte bisher wenig Gelegenheit, damit zu fotografieren, aber immerhin konnte ich schon eine ganze Reihe von Testbildern aufnehmen. Wie immer habe ich einen Vergleich mit der Canon EOS 5D Mark III gemacht um zu sehen, wie nahe die Fuji an eine Vollformat-Kamera herankommt.

Mechanisch macht das Objektiv einen guten, soliden Eindruck. Das Gehäuse ist eine Mischung von (wenigen) Metallteilen und (überwiegend) Kunststoff. Alle Bedienungselemente und auch der Materialmix sind praktisch identisch mit dem schon länger bekannten Standard-Zoom. Zwei Schalter dienen zur Aktivierung des Bildstabilisators und der Blendenautomatik. Drei Einstellringe ermöglichen die Wahl von Blende, Brennweite und Schärfenebene. Der Blendenring rastet ähnlich stramm wie beim Standard-Zoom und beim 35 mm Objektiv. Er läuft besser als der etwas lockere Ring vom 14 mm Weitwinkel. Der Zoom-Ring ist recht schwergängig, verstellt sich aber auch nicht von alleine - selbst wenn das Objektiv gen Boden oder Himmel gerichtet ist.
Apropos Boden: Schwenkt man das (ausgeschaltete) Objektiv aus der Horizontalen nach unten, dann lässt sich ein deutliches Klacken vernehmen. Vermutlich wackelt hier ein Teil des Bildstabilisators. Im eingeschalteten Zustand tritt das Geräusch nicht auf.
Nicht so toll ist die Gegenlichtblende. Dieses monströse Plastikteil sitzt zumindest bei meinem Exemplar sehr stramm in der Fassung, so dass man geradezu Angst beim Drehen bekommt.

Ich empfinde das XF 55-200 als groß, aber nicht zu groß und auch nicht zu schwer für die X-E1. Vor allem gemessen an den optischen Leistungen, denn mit 300 mm Endbrennweite (umgerechnet auf Kleinbild), einer Anfangsöffnung von f/3,5 und einem optischen Bildstabilisator wird schon einiges geboten. Sogar Makroaufnahmen sind eingeschränkt möglich. Der Abbildungsmaßstab von 1:5,56 ergibt umgerechnet auf Kleinbild immerhin 1:3,7. Da drucken andere Hersteller bereits das Wort "Macro" in farbigen Lettern werbewirksam auf's Objektiv…

Gut gefällt mir die Innenfokussierung des Objektivs. Auch beim Zoomen steht die Frontlinse still, so dass Pol- und Verlaufsfilter stressfrei eingesetzt werden können, obwohl man das bei einem Teleobjektiv sicher nicht so häufig braucht wie bei einem Weitwinkel. Ebenfalls erfreulich: Der minimale Aufnahmeabstand ist mit 1,1 m ziemlich kurz und bleibt über alle Brennweiten konstant. Die kürzeste Brennweite (umgerechnet auf Kleinbild rund 80 mm) eignet sich also recht gut für Portraitaufnahmen, wenngleich die Anfangsöffnung von f/3,5 (entsprechend rund f/5,6 bei Kleinbild) nur eingeschränktes Potenzial zur Freistellung durch Unschärfe hat.

Etwas blöd ist der Filterdurchmesser von 62 mm, denn den gab es im Fuji System bisher nicht. Das Standard-Zoom hat, ebenso wie das 14 mm Weitwinkel, ein 58 mm Gewinde. Die 35 mm Optik kommt genauso wie das 18 mm Weitwinkel mit 52 mm daher. Den Schluss bildet das 60 mm Macro mit 39 mm. In Summe also vier Gewinde für sechs Objektive - ein hübsches Durcheinander.

Im direkten Vergleich der Fokusgeschwindigkeit zu Canons 70-300 L IS konnte ich beim Fuji XF 55-200 zumindest bei statischen, kontrastreichen Motiven keinen wesentlichen Unterschied feststellen. Den Durchlauf von Unendlich zur Nahgrenze absolvieren beide Optiken gleichermaßen flink. Über die Einschränkungen bei der Aufnahme von schnellen Motiven (Vögel in der Luft, Motor- oder Radsport, aber auch: Krabbelnde Kleinkinder frontal von vorne) hatte ich ja schon an anderer Stelle geschrieben. Weil bei der X-E1 der Fokuspunkt und das Sucherbild nach der ersten Aufnahme in Serienbildfunktion einfrieren, geht da leider wenig bis gar nichts. Für solche Anwendungen ist eine flinke DSLR nach wie vor unschlagbar (und die EOS 5D Mark III mit ihrem Super-Autofokus sowieso).

Etwas enttäuschend auch die auffällige Vignetierung des XF 55-200 bei Offenblende. Immerhin kann man das per Software gut korrigieren.


About a week ago Fuji's new telephoto zoom lens found its way to me. I had little opportunity to photograph with it, but at least I was able to record a number of test images. As always, I have made a comparison with the Canon EOS 5D Mark III to see how close the Fuji comes to a full-frame camera.

Mechanically the lens makes a good, solid feel. The housing is made of a mixture of (few) metal parts and (mostly) plastic. All controls and also the mix of materials are virtually identical to the well known standard zoom. Two switches are used to activate the image stabilizer and auto iris. Three adjustment rings allow the setting of aperture, focal length and focus point. The aperture ring snaps as tight as the one in the standard zoom and the 35mm lens. It runs better than the somewhat loose ring of 14mm wide angle. The zoom ring is quite stiff. At least the lens doesn't extract by itself when directed to the ground or sky.
Speaking of ground: When the (switched off) lens is tilted from horizontal direction downwards, one can hear a distinct clicking sound. Probably a loose part of the image stabilizer. When switched on, the noise does not occur.
Not so great is the lens hood. At least in my lens, this monstrous piece of plastic fits very tight into the socket. I have a downright fear to break it when turning.

I think the XF 55-200 is a big lens, but not too big and not too heavy for the X-E1. Especially considering its optical performance. With 300 mm focal length (converted to full-frame), a maximum aperture of f/3.5 and an optical image stabilizer the lens has a lot to offer. Even macro shots are possible. Converted to full-frame, the magnification ratio of 1:5.56 will become 1:3.7. With a macro ability like this, other manufacturers already use the word "macro" in colorful letters to advertise their lenses ...

I like the internal focus of the lens. When zooming, the front element is stationary. Polarizing and gradual filters can be used hassle free, although they are certainly not needed as often as on a wide angle. Also encouraging: The minimum focusing distance is quite short at 1.1 m and remains constant over all focal lengths. The shortest focal length (equivalent to about 80 mm full-frame) is quite good for portraits, although the maximum aperture of f/3.5 (equivalent to f/5.6 full-frame) has only limited potential to blur your talent.

The filter diameter of 62 mm is somewhat stupid, as it is new to the Fuji system. The standard zoom, as well as the 14 mm wide angle, has a 58 mm thread. The 35 mm lens is the same as the 18 mm wide-angle with 52 mm. And the 60 mm Macro comes with a 39 mm thread. To sum it up, there are four threads for six lenses - a pretty mess.

In direct comparison, I could not detect any significant drawback in the focus speed compared to the Canon 70-300 IS L at least in static, high contrast scenes. To run the focus from infinity to close range takes similar time on both optics. I already have noted the limitations of the X-E1 when recording fast-moving objects (birds in the air, or motor cycling, but also: Crawling babies head from the front) elsewhere. Because both the focus point and the viewfinder image freeze after the first shot in continuous shooting mode, there are little to no chances to get a good picture in such situations. Here, the DSLR is still unbeatable (and the EOS 5D Mark III shines in particular with its uber-autofocus anyway).

Somewhat disappointing is the vignetting of the XF 55-200 at maximum aperture. At least you can correct this well by software.
RAW-Aufnahme mit dem XF 55-200 mm bei f/5,6, 200mm, 1/640s, ISO 200, Dynamik Range DR100.
RAW-shot with the XF 55-200mm lens at f/5,6, 1/640s, ISO 200, Dynamik Range DR100.
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Die sieben Lamellen ergeben sehr schöne Unschärfe-Kreise.
The seven aperture blade create a very nice bokeh.

Zum Vergleich der Systemauflösung habe ich die X-E1 und das XF 55-200 gegen die Canon EOS 5D Mark III mit dem bekanntermaßen hervorragenden 70-300 f/4-5.6 L IS USM antreten lassen. Ein nicht ganz fairer Vergleich, wie ich unumwunden zugebe, denn das Canon Objektiv kostet locker das Doppelte vom Fuji-Zoom. Über die Kameragehäuse reden wir erst gar nicht... Und dennoch: Fuji behauptet selbst, die Bildqualität einer Vollformat-Kamera zu erreichen. Also schaun' mer' mal:
(Eine ausführliche Beschreibung des Messverfahrens findet sich
hier).

For a comparison of system resolution, I have run the X-E1 and the XF 55-200 against the EOS 5D Mark III with the excellent 70-300 f/4-5.6 L IS USM. Not quite a fair comparison, as I admit frankly, because the Canon lens costs easily twice as much as the Fuji zoom. And we don't even talk of the camera body… But yet, Fuji claims itself to achieve the image quality of a full-frame camera. So let's see:
(A detailed description of the measurement process can be found
here):
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N/A
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Grün = Bildmitte; Lila = erweiterte Bildmitte; Orange = Bildrand

Für sich betrachtet sehen die Ergebnisse des Fuji-Zooms wirklich gut aus. Lediglich die kürzeste Brennweite (55 mm) fällt mit offener Blende (f/4) an den Rändern etwas ab. Sonst werden durchgehend knapp 1500 LP/BH erreicht. Ein moderater Auflösungsabfall tritt erst ab Blende f/16 auf. Die längste Brennweite (200 mm) ist insgesamt etwas schwächer, aber damit kann man gut leben. Auffällige Ausreisser gibt es keine, andererseits werden die Bestwerte des etwas älteren XF 18-55 mm Standardzooms auch nicht ganz erreicht.
Im Vergleich zur EOS 5D Mark III zeigt sich allerdings ein deutlicher Abstand. Das Canon 70-300 L hat durch die Bank eine um rund ein Drittel höhere Bildauflösung, vereinzelt sogar 50% mehr. Von Gleichwertigkeit zum Vollformat kann also keine Rede sein.
Green = Center; Lila = Extended Center; Orange = Borders

The Fuji-zoom looks really good. Only the shortest focal length (55 mm) at widest aperture (f/4) is slightly soft at the edges. Otherwise, almost 1500 LP/PH can be achieved. A moderate resolution drop occurs only at f/16. The longest focal length (200 mm) is somewhat weaker, but still ok. There are no noticeable weaknesses, although the best resolution values ​​of 18-55 mm standard zoom are not quite reached.
Compared with the EOS 5D Mark III, however, Fuji's zoom has a significantly lower resolution. The Canon 70-300 L resolves about a third more lines across the board, occasionally even 50% more. An equivalence to the Canon full-frame system is beyond question.
Sogar Makro geht ein bisschen: Bei 300 mm ergibt sich der Abbildungsmaßstab 1:5,56. Das entspricht immerhin 1:3,7 bei Kleinbild.
Even a macro mode is available (to some extend): At 300 mm the reproduction scale is 1:5.56. That is equivalent to 1:3.7 at full frame sensors.
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Schauen wird abschließend noch auf die chromatischen Aberrationen:

Finally, let's have a look at chromatic aberrations:
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N/A
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Grün = Bildmitte; Lila = erweiterte Bildmitte; Orange = Bildrand

Der kritische Bereich oberhalb von rund 1 Pixel wird bei allen Brennweiten und Blenden von beiden Objektiven deutlich unterschritten. Insgesamt ein hervorragendes Ergebnis.
Green = Center; Lila = Extended Center; Orange = Borders

The critical area above one pixel is always undercut at all focal lengths and apertures. In total, this is an excellent result.

Schlusswort
The Final Word
Das XF 55-200 ist eine lang erwartete, wichtige Ergänzung für das Fuji-System, das nun endlich auch im Telebereich einsetzbar wird. Die Optik überzeugt mit einer insgesamt sehr soliden Leistung. Quer über alle Brennweiten und Blenden hat es eine gute Schärfe bei minimalen chromatischen Aberrationen ohne nennenswerte Schwächen oder Ausreißer. Klar, mit einer sehr guten Vollformat-Optik kann auch dieses Fuji nicht mithalten. Aber dafür entschädigen Preis, Gewicht und Baugröße.

The XF 55-200 is a long-awaited, important addition to the Fuji system that now finally becomes usable in the telephoto range. The lens convinces with a very solid overall performance. Across all focal lengths and apertures it has a good sharpness with minimal chromatic aberrations without significant weaknesses. Sure, it can not keep up with a very good full-frame camera and lens. But this is outweighed by price, weight and size.

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